top of page

Imaginar. Dantes Bilder

Literaturfestival, 1. - 4. Oktober 2026

„Colui che mai non vide cosa nova

Produsse esto visibile parlare,

novello a noi perché qui non si trova."

Dante, Purg. X

„ins Schauen kommen, zum Schauen gehen“

Peter Handke

Ach, bildende Kraft, die du uns zuweilen

so sehr der Welt entziehst, dass wir selbst

tausend Posaunen nicht hören würden.

​​​Was bewegt dich, wenn die Sinne schweigen?

Purgatorio 17, ÜS: Michael Donhauser

Im 17. Gesang des Purgatorio schließt Dante, gezwungen, sich in einer Atmosphäre des dichtesten Nebels zurechtzufinden, überfordert die Augen, und indem er die Augen schließt, setzt er sich anderen Eindrücken aus. Sie strömen aus seinem Innern und verlangen nach einer Erklärung, für die es noch keine Worte gibt. 

Dantes Göttliche Komödie, seit Jahrhunderten bewundert für ihre phantastischen Landschaften und überbordenden Bildwelten, hat Generationen von Künstlern angeregt. Aber als noch wirkmächtiger erwiesen sich vielleicht die Bilder von Dantes Sprache selbst. Sphäre für Sphäre, Canto für Canto, Szene für Szene, beschreitet der Dichter die Räume seiner Vorstellung und überführt philosophische und theologische Konzepte in kühnste Anschaulichkeit. „Es ist alles anders gesagt, weil es anders gesehen ist“, hat Erich Auerbach über Dantes Darstellungskunst einmal angemerkt.

Doch wie unterscheidet sich das Bilddenken der Literatur von den Bildern, die uns täglich umgeben? Inwiefern greift der sinnliche Eindruck in den sprachlichen Ausdruck ein? Im Zeitalter künstlich generierten Bildmaterials, das an kein menschliches Bewusstsein mehr gekoppelt ist, wächst die Sehnsucht nach der Befähigung, Bilder nicht nur zu konsumieren, sondern gleichsam inwendig aufzubewahren: als Welt in der Welt, wo sich Erlebtes und Erinnertes zu neuen Konstellationen verbindet.

Zum bereits vierten Mal bringt das Dante-Zentrum für Poesie und Poetik Schreibende und Forschende nach Retz, um in Lesungen und Vorträgen die Komödie mit zeitgenössischen Positionen ins Gespräch zu bringen. Di/e Eröffnung findet erstmals im Museum Retz statt, wo u.A. Franz Liszts Dante-Sonate auf dem Liszt-Flügel gespielt zu hören sein wird. Am zweiten Tag bindet eine Dunkelkammer-Werkstatt die Entstehung von Bildern zurück an die Zeitweisen ihres Erscheinens. Auch am dritten Abend schöpft die Bilderschau aus vergangener Gegenwart, wenn im Schüttkasten die Diapositive aufleuchten. Die abschließende Matinee „MIRABILE VISIONE“ vertraut noch einmal auf das Bild als Medium von Traum und Verheißung: IMAGINE!

Konzept, Organisation: Theresia Prammer, Sandro Huber

Programm

​​

DO. 1. Oktober

19:30

Museum Retz, Znaimerstraße 7

Festivaleröffnung und Konzert am „Liszt-Flügel"

Dongkyu Leo Kim (Klavier), Christian Filips (Rezitation)

Begrüßung, Einführung: Theresia Prammer, Sandro Huber (Dante-Zentrum)

Begrenzte Platzanzahl! Reservierung erbeten unter: monika.rotterlebeau@a1.net

Eintritt frei, Spenden erwünscht

FR. 2. Oktober

9:30-12:00

Kulturhaus Schüttkasten, Pfarrgasse 9

Vorträge

Franziska Meier: Lectura Dantis, „Paradiso X”

Christian Filips: „Satanische Himmelfahrt. Von Adalbert Goldschmidt”

​​​

14:00-17:30

Dante-Zentrum, Wiener Straße 9A

„Luce profonda”, Dunkelkammer-Werkstatt mit Katharina Manojlovic

​​​​

19:30

Kulturhaus Schüttkasten

Lesungen

Franziska Füchsl: Inferno III

Richard Obermayr: „Das fehlende Wort”

SA. 3. Oktober

9:30-12:00

Kulturhaus Schüttkasten,

Vortrag, Lesung

Jacob Moser: „Dantes Dämonen”

Wolfram Pichler: „Zeit und Bild bei Peter Handke”

​​​​​

14:00-17:30

Dominikanerkloster, Klostergasse 37, Refektorium

„Legere ad calamum“: Kopier- und Diktierwerkstatt

​​​​

19:30

Kulturhaus Schüttkasten,

Lesungen

„Das imaginierte und das literarische Paradies”. Franz Josef Czernin im Gespräch mit Wolfram Pichler

Franz Josef Czernin (Dante-Zentrum): „Wörtlich wären nur der erste und der letzte Sinn. Aphorismen und Reflexionen”

​​

Oswald Egger: „Geflügelte Wörter und Dinge“

22:30

Kulturhaus Schüttkasten

DANTE AFTER DARK

Annamaria Cattaneo (Dante-Zentrum): „All´infinito e ritorno“

Sandro Huber ​​​​​​​​​​: „Ein Bild, das schweigt“

Dia-Schau

SO. 4. Oktober

9:30-12:00

Kulturhaus Schüttkasten,

Matinée: „Mirabile visione”​​ 

Mit Christiane Heidrich, Christian Kühne, Greta Pichler, Vincent Sauer und Tobias Schulenburg

​​

Tombola

Während der Festivaltage ist im Kulturhaus Schüttkasten die Ausstellung "FETT" [Auszug] von Brigitta Falkner zu sehen. 

​​​​​

......................

„Ja, gewiss, am Anfang war das Bild, und so wird es auch für immer bleiben.“

Angelika Meier

​​​​

Kultur_NOE.jpg
FIM Logo_edited.jpg
bottom of page